* 14.08 Uhr: Die Glocke tönt nun schon mehrfach. Ich glaube der Parteitag beginnt mit etwas Verspätung. Auf dem Zeitplan steht “Begrüßung, Konstituierung, Grußwort”. Doch noch ist kein Anfang in Sicht.

* 14.18 Uhr: Es geht los. Generalsekretär Michael Groschek begrüßt die Anwesenden. Er kündigt Franz Müntefering an. Es gibt einen Buh-Ruf. Der Parteitag ist eröffnet.
* 14.33 Uhr: Warum wirken diese Fußball-Politik-Analogien eigentlich immer so bemüht. Dortmunds Bürgermeister Ulli Sierau kann sich in seinem Grußwort nicht verkneifen, auf das Derby BVB gegen S04 heute Abend anzuspielen. Tenor: Wir gewinnen erst auf dem Fußballplatz und dann am Wahltag.
* 14.39 Uhr: Es läuft ein Film über Hannelore Kraft. Man sieht sie bei ihrer “TatKraft”-Tour. Es lobhudeln Kinder, Jugendliche, Rentner, Männer und Frauen. Jeder darf mal. Dazu dudelt Popmusik. Nun wird sie reden.
* 14.45 Uhr: Hannelore Kraft: “Wir sind die Kümmerer-Partei”. Und: “Die Initiative-Tatkraft ist kein Wahlkampf-Tool”. Sie beginnt ihre Rede mit Familien- und Kinderpolitik (“Wir wollen kein Kind mehr verlieren”) sowie der Situation der Kommunen: “Wenn Banken systemrelevant sind, dann sind Städte und Kommunen erst recht systemrelevant”. Zum Solidarpakt: “Ich bin nicht einverstanden, dass sich unsere Gemeinden verschulden müssen, um ihrer Solidarität Ausdruck zu verleihen”
* 15.00 Uhr: Zur Bildungspolitik: “Weg mit den Gebühren von der Kita bis zur Hochschule”. Einige ihrer Schlagworte: Mehr Chancengleichheit, längeres gemeinsames Lernen, Frühförderung. Kraft berichtet von Treffen mit Schülern und Lehrern und verspricht eine Ausbildungsgarantie: “Wir brauchen mehr Querdenker”.
* 15.13 Uhr: Kraft ist bei der Beschäftigungspolitik angekommen: “Wir werden Leih- und Zeitarbeit begrenzen”. Und: “Beim Mindestlohn werden wir nicht wackeln.”
* 15.20 Uhr: Zu Schwarz-Gelb: “Was die vorhaben, ist die Entsolidarisierung der Gesellschaft”.
* 15.30 Uhr: Industrie- und Verkehrspolitik: “Industrie ist und bleibt ein wichtiger Pfeiler in diesem Land. Aber wir bleiben beim Nein zur Atomkraft”. Das lässt sich natürlich einfach sagen. In NRW gibt es schließlich anders als in Hessen oder Bayern keine Meiler. Und weiter sagt Kraft: “Wir setzen auf die Schienen, auf Wasserstraßen und darauf, dass es im öffentlichen Personennahverkehr vorangeht. Denn Mobilität ist Teilhabe.”
* 15.36 Uhr: Zur Sponsoring-Affäre: “Dieser Vorgang beschädigt das Amt. Rüttgers sieht sich in der Nachfolge Johannes Raus. Doch sein Umgang mit dem Amt macht deutlich, größer könnte der Unterschied nicht sein.” Und weiter: Der Wahlkampf werde jetzt erst richtig rundgehen. Kraft freue sich darauf. Nun stünden Inhalte im Vordergrund.
* 15.39 Uhr: Kraft wiederholt ihre zentralen Wahlkampfaussagen. Die Genossen erheben sich applaudierend. Kraft beendet ihre Rede: “Wir werden besser regieren – Glück Auf!”.
* 16.02 Uhr: Also, hier ist gerade Pause, der Parteitag ist kurz unterbrochen worden. Zeit für ein paar völlig unsortierte Gedanken zur Kraft-Rede:
Hannelore Kraft hat es auffallend vermieden den Namen des Ministerpräsidenten in den Mund zu nehmen. Ich glaube, sie hat nur ein einziges Mal “Herr Rüttgers” gesagt. Ohnehin hat sie sehr wenig, fast gar nichts, zur Regierungspolitik gesagt. Kaum Angriffe auf Schwarz-Gelb. Stattdessen hat sie ihre Wahlkampfthemen in den Vordergrund gerückt. NRW entwickele sich zu einem “Absteigerland”. Allen voran die Bildung und die Stärkung der Kommunen setzt sie dem entgegen. Beide Themen hat sie stets mit ihren Erfahrungen aus “den vielen persönlichen Gesprächen im Land” im Rahmen ihrer Wahlkampfauftritte verknüpft. So bekamen ihre Aussagen immer ein Gesicht, was die Dringlichkeit ihrer Aussagen unterstreichen sollte. Mal war es der Schüler, der einen Ausbildungsplatz sucht, mal war es die Fachkraft im Betrieb, mal der Schulleiter, der ihr von den schlechten Bedingungen erzählte.
Kraft hatte zu Beginn ihrer Rede schon ein wenig Mühe, den richtigen Ton zu finden. Zwar war sie ruhig, fest auf beiden Beinen stehend, vor dem Rednerpult. Doch ihre Stimme wollte noch nicht so richtig. Sie musste sich mehrfach räusbern, fand aber im Verlauf ihrer Rede besser zu sich. Dennoch gab sie sich sehr zurückhaltend im Ton sowie in der Sprache. Attacken auf Schwarz-Gelb gab es nicht. Hannelore Kraft setzt offenbar dem Chaos in der Rüttgers-Regierung eine ruhige Ansprache entgegen. Auch zu Koalitionsfragen blieb Kraft stumm. Ihre Genossen goutieren das anscheinend. Sie bestätigten ihre Vorsitzende mit 99 Prozent Zustimmung im Amt. Oder könnte es auch so sein, dass ihre Begeisterung bloß Ausdruck der Freunde über die Kapriolen von Schwarz-Gelb in Berlin und Düsseldorf ist?
Die Rede von Hannelore Kraft ist hier nachzulesen.
Berichte über den Landesparteitag:
* Stern.de: “SPD leitet letzte Wahlkampfphase ein”
* dpa-Text gibt es u.a. hier und hier.
* Focus Online: “SPD steht hinter Kraft”
* Welt.de: “SPD feiert ihre Spitzenkandidatin Kraft”
* Süddeutsche Zeitung: “Die 99-Prozent-Kraft”
* Hamburger Abendblatt: “In Krafts Rede spielte Rüttgers nur eine Nebenrolle”
* Kölnische Rundschau: “Hannelore Kraft kämpft mit Gefühl”
* Spiegel Online: “SPD-Hoffnung Hannelore Kraft – Last Woman Standing”
* WDR: Zum Beitrag der Aktuellen Stunde
* Rheinische Post: “Wir werden gewinnen”
* Tagesspiegel: “Rüttgers macht SPD wieder Mut”