Integration


14
Mrz 11

Gebt Mesut Karaüzüm ein Parteibuch!

Die CSU sollte sich eigentlich vor Freude in die Hose machen. Männer wie Mesut Karaüzüm sind echte Glücksgriffe für die Partei. Stattdessen zaudert sie, hadert und prüft. Continue reading →


10
Mrz 11

Seehofers Arsen-Döschen

Eines meiner liebsten Bücher über Nazi-Deutschland ist Victor Klemperers “LTI” – Lingua Tertii Imperii. Ein Buch über den Sprachverfall im Nationalsozialismus – unter grauenvollen Umständen geschrieben. Klemperer hatte seine Beobachtungen zuletzt im Dresdner Judenhaus notiert.

An einer Stelle des Buches schreibt Klemperer: “Worte können sein wie winzige Arsendosen, und nach einiger Zeit ist die Wirkung da.” An diesen Satz musste ich denken, als Horst Seehofer beim Politischen Aschermittwoch seiner Partei ankündigte, Zuwanderung in deutsche Sozialsysteme “bis zur letzten Patrone” zu verteidigen. Continue reading →


28
Feb 11

“Düsseldorf Bulusmasi” – Erdogan in Deutschland

Am Vortag hat es noch eine Volksmusikveranstaltung im Düsseldorfer ISS-Dome gegeben. Am Sonntagabend liegt alles für den großen Auftritt von Recep Tayyip Erdogan bereit. Die riesige Bühne ist aufgebaut, über Videowände wird der Ministerpräsident von überall aus bestens zu sehen sein, in der Arena spielt die Düsseldorfer EG Eishockey. Man ahnt schon, dass es eine Atmosphäre wie im Stadion werden wird. Continue reading →


25
Feb 11

Was wird Erdogan in Düsseldorf sagen?

Armin Laschet hat einst ein schlaues Buch zum Thema Integration geschrieben. Es heißt “Die Aufsteigerrepublik – Zuwanderung als Chance”. Darin seziert der CDU-Politiker Fehler der deutschen Integrationspolitik. Laut Laschet sei sie über Jahrzehnte vor allem von einer Grundhaltung geprägt gewesen: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Es ist ein kluges Buch vom einstigen NRW-Integrationsministers.

Anderthalb Jahre ist die Veröffentlichung jetzt her. Und, wer weiß, wären die Umstände andere, vielleicht würde der im Herzen schwarz-grüne Laschet heute nicht lediglich als Vize-Fraktionsvorsitzender seiner Partei im Düsseldorfer Landtag in der Opposition schmoren, sondern höhere Ämter besitzen.

Dass es sich die CDU leistet, Talente wie ihn aufs Abstellgleis zu stellen, ist übrigens auch eine Aussage. Aber das nur nebenbei. Continue reading →


3
Nov 10

Wie ein Heißluftballon

Mit den Zahlen in der Politik ist es so eine Sache. Man kann aus großen Zahlen kleine machen, wenn man noch größere Zahlen ranzieht – wohl einer der ältesten Tricks im politischen Geschäft.

Im September, die Sarrazin-Debatte kochte kräftig, hat sich Innenminister Thomas de Maizière der Zahlen bemächtigt. Er sprach von 10 bis 15 Prozent “integrationsunwilligen” Migranten in Deutschland. Schon damals eine Zahl wie ein Heißluftballon – inhaltsleer, aber hoch fliegend. Das kam an.

Auch acht Wochen nach dem Auftritt des CDU-Ministers bleibt die entscheidende Frage ungeklärt: Wie kommt de Maizière auf diese Zahlen? Continue reading →


22
Okt 10

Warum Netzwerke bei der Integration helfen

So ein Netz ist eine feine Sache. Es gibt Halt. Es kann jemanden absichern, auffangen und neuen Schwung verleihen. Es ist äußerst flexibel, weil dehnbar. Engmaschig genug geflochten, spendet es eine Menge Sicherheit. Ein Durchrutschen kann so unmöglich gemacht werden. Netze können daher auch richtig bequem sein.

Mehr noch als das. Ein Netz lässt sich beliebig vergrößern. Man muss es nur geschickt genug anstellen und an den Rändern einfach weiterknüpfen. Verbindet es sich mit einem anderen, ergibt das ein kleines Doppelnetz, dessen Eigenschaften sich addieren. Es entsteht ein Netzwerk. So gesehen sollten wir alle viele Netze besitzen. Denn, wie gesagt, Netze sind echt klasse.

Jetzt ist das aber nicht immer ganz so einfach mit diesen Netzwerken. Nicht in der Politik, wo Netzwerke aneinander stoßen, nicht in der Wirtschaft, wo verschiedene Netzwerker an ihrem Aufstieg arbeiten – vor allem nicht beim Thema Integration, wo Netzwerke entweder nicht ausreichend vorhanden sind, sie als nicht integrationsförderlich angesehen werden oder erst mit Fördergeld konstruiert werden müssen.

Dabei sind sie für das Zusammenleben so wichtig. Der Politikwissenschaftler Ernst Fraenkel, Mitbegründer des Pluralismus in Deutschland, spricht von einem “Bewusstsein von der Verschiedenheit” als eine Notwendigkeit für ein pluralistisches Gemeinwesen insgesamt. Es müsse ein “lebendiges Gruppeninteresse” bestehen, eine “gruppenidentitäre” Dimension entstehen.

Das bedeutet folgendes: Erst wenn Kleinstgruppen in einer Gesellschaft zueinander gefunden haben, sich ihrer eigenen Identität und ihrer Identität im fremden Umfeld bewusst geworden sind, nach außen sprachfähig geworden sind, kurz: ein Netz gebildet haben, sind sie bestmöglich in einer pluralistischen Gemeinschaft integrationsfähig.

Der Soziologe Heinz Bude kommt im Interview mit Welt Online zu dem Schluss, dass es für die Integration ein gutes Zeichen sei, auf deutschen Straßen vermehrt Frauen mit Kopftüchern zu sehen. Denn, die soziologische Identitätstheorie lehre, “dass die wachsende Verbreitung von Kopftüchern, die man bei muslimischen Frauen, auch bei gut ausgebildeten, beobachten kann, ein Zeichen von zunehmender Integration und nicht von zunehmender Desintegration ist. Weil nämlich diese Frauen den Anspruch erheben, trotz Differenzmarkierung teilhabeberechtigt zu sein und gewissermaßen auszutesten, wie man sich anders macht, um gleich werden zu können.”

In den Kommentaren wird er dafür bepöbelt. Hier eine kleine Auswahl, die auch Auskunft über die Qualität der Debattenkultur mancher Foren gibt: “Soziologengeschwätz”, “Pseudowissenschaften”, “Schwachkopf”, “Dummschwätzer”.

Aber ab wann dient ein Netzwerk der Integration?

Machen wir ein Beispiel: Wenn sich zwölf ältere Herren tagtäglich in ihr Herrenkaffee zurückziehen, um dort heißen Mokka zu schlürfen und Karten zu spielen, ist das ja auch ein Netzwerk. Und zwar eines von zwölf älteren Herren in einem Kaffeehaus. Es mag den Männern vielleicht Sicherheit nach Innen geben, doch nach Außen ist solch ein Zusammenschluss isoliert, abgeschottet, hermetisch, nicht integrationsfähig.

Es kommt anscheinend auf die Anknüpfungsfähigkeit und die Sprachfähigkeit an.

Es ist daher gut, dass sich junge, kreative, gut ausgebildete, deutsche Muslime, wie kürzlich geschehen, zu einem Netzwerk zusammenschließen, um ihre Ideen (online) auszutauschen und zu veröffentlichen. Solch ein Netzwerk – das Vorbilder vor allem in England und den USA hat – wirkt doppelt: Einerseits motiviert es und zieht die Minderheit in die Verantwortung, etwas zu tun, sich zu präsentieren, gemeinnützlich zu sein und sich als selbstbewussten Teil der Gesellschaft zu verstehen.

Andererseits ist das Netzwerk für die Mehrheit ein Ansprechpartner, ein verlässlicher Partner, mit dem kommuniziert werden kann, der auch dabei hilft, das Fremde zu übersetzen und verständlich zu machen. Außerdem kann ein Netzwerk-Partner auch dabei nützlich sein, sich seiner selbst klarzuwerden und zu hinterfragen. Eine Win-Win-Situation.

Ein Netzwerk im besten Sinne ist, wie gesagt, eine wirklich gute Sache.

*** Sie wollen mit mir netzwerken? Herzlich gerne! Hinterlassen Sie einen Kommentar und schreiben Sie mir über Facebook und Twitter. ***

18
Okt 10

“Wir gegen uns” – Fußball und Integration

Mesut Özil sieht immer ein wenig traurig aus. Auch nachdem ihn mehrere Zehntausend türkische Fußballfans im Berliner Olympiastadion ausgepfiffen hatten, verließ der traurige Mesut mit Hängeschultern bedröppelt das Spielfeld.

Kein Wunder, sollte man meinen. In den Augen vieler Fußball-Türken ist Özil so etwas wie ein Vaterlandsverräter, weil er sich entschieden hat, für sein Geburtsland zu spielen und nicht für das Land seiner Eltern. Aber nicht die Pfiffe machten Özil an diesem Abend in Berlin zu schaffen, sondern ein Allerwelts-Fußballwehwehchen: Der Knöchel war dick. Continue reading →


8
Okt 10

Über den Islam-Streit in der Union

Christian Wulff hat gesprochen. Jetzt redet seine Partei. Mit seiner Rede am Tag der Deutschen Einheit (“Natürlich gehört der Islam zu Deutschland”) hat Wulff  eine Diskussion angestoßen. Einige Parteifreunde gehen bereits auf Distanz, andere geben ihrem Präsidenten recht. In der Union wird in jedem Fall über Integrationspolitik gestritten. Eigentlich ist das längst überfällig. Continue reading →


26
Sep 10

“Zahnräder” – Tag 2

Am zweiten Tag der “Zahnräder”-Konferenz in Wuppertal haben die jungen muslimischen Teilnehmer vor allem über ihre einzelnen Projekte geredet.

Ich hatte Gelegenheit, mit Mitarbeitern des Kölner Vereins Tugra e.V. zu sprechen. Sie haben ein Vorhaben präsentiert, dass sich an Schulabgänger richtet – nicht nur an solche mit Migrationshintergrund. Es heißt “Abi in der Tasche – auf gehts zum Studium”. Der Verein hat über die Zeit ein Netz von etwa 100 freiwilligen, meist studentischen Helfern aufgebaut, die jungen Leuten unter anderem bei der Wahl des Studienfaches beraten.

Außerdem habe ich mit Aysel Bahci und Nuray Özcan von der Islamischen Denkfabrik gesprochen. Die beiden Frauen haben während der Konferenz für ein Theater-Projekt ihres Krefelder Vereines geworben, in dem sich junge Muslime durchaus kritisch mit Fragen ihres Glaubens auseinander setzen.

Am Abend hat Ahmed Larouz, Kommunikation und Marketingexperte aus den Niederlande, zum Thema Netzwerken gesprochen. Er unterstützt unter anderem das European Muslim Professionals Network Cedar.

Am Ende seines äußerst unterhaltsamen Vortrages hat er ein Video gezeigt, das den Teilnehmern Mut machen soll bei ihrem Versuch, Zahnräder als erstes deutsches Netzwerk junger kreativer Muslime voranzubringen. Kareem Salama: A Land Called Paradise.


24
Sep 10

Jung, kreativ, Muslim – Netzwerk “Zahnräder” tagt in Wuppertal

Wer in Wuppertal nicht dabei ist, verfolgen, was von dort getwittert wird: http://twitter.com/#search?q=nz10

Interessante Gespräche, nette Leute und eine kreative Atmosphäre: Die Fahrt nach Wuppertal hat sich als richtige Entscheidung herausgestellt. Ich habe die Konferenz des Netzwerks Zahnräder besucht, eine Vereinigung junger muslimischer Köpfe.

Gut 100 junge Leute muslimischen Glaubens tauschen sich an diesem Wochenende in den Räumen der Wuppertaler Jugendherberge über ihre Gründungsvorhaben und Projektpläne aus, diskutieren über Integration und Engagement, präsentieren ihre zum Teil noch geheimen Ideen, essen gemeinsam, beten gemeinsam und, ja klar, netzwerken eben.

Die “Zahnräder” sind in vielerlei hinsicht interessant. Es ist der erste Zusammenschluss dieser Art in Deutschland, so weit ich weiß. Und sie sind ein tolles Beispiel dafür, dass es sie selbstverständlich gibt: junge motivierte Muslime in Deutschland, die etwas auf die Beine stellen wollen. “Und wenn dabei das Negativbild der Muslime in Deutschland korrigiert wird, umso besser”, hat mir ein Gründungsmitglied der “Zahnräder” gesagt. Gut so.

Ich bin noch dabei, mich ein wenig zu sortieren was den Abend angeht. Viele Eindrücke und Themen sind haften geblieben: beispielsweise wie verletzt einige Konferenzteilnehmer vom Verlauf der Integrationsdebatte in den vergangenen Wochen sind. Sarrazin ff. hat tiefe Wunden hinterlassen.

Auch hat mich beeindruckt, wie selbstbewusst und selbstverständlich sie Islam und Engagement miteinander verknüpfen. Kopftuch und Laptop – natürlich passt auch das zusammen!

Eher nachdenklich gemacht hat mich die Tatsache, wie vorsichtig die Netzwerker den Medien gegenüber eingestellt sind. Ein Teil der Konferenzteilnehmer habe am liebsten ganz auf Pressegespräche und jedwede Interviewtermine verzichten wollen, hieß es. Wörtliche Zitate müssen zur Autorisierung vorgelegt werden. Klar, einige möchten ihre Projektideen nicht veröffentlicht sehen, andere hingegen haben schlechte Erfahrungen gemacht mit Journalisten.

Die Konferenz geht noch bis Sonntag.