Mit dem Bus durchs Ruhrgebiet: Der SPD-Parteichef hat eine Moscheentour veranstaltet und dabei in fünf Städten des Ruhrgebietes muslimische Gotteshäuser besucht. Gabriel hatte sich prominente Begleitung gesucht. Sänger Peter Maffay und die Schauspielerin Renan Demirkan waren mit dabei sowie der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde, Kenan Kolat und der erfolgreiche (Reise-)Unternehmer Vural Öger, beides SPD-Mitglieder. Natürlich fuhr auch die SPD-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl Hannelore Kraft eine Zeitlang mit.
Man kann von einer solchen Tour halten, was man will. Sicher, es sind nur noch wenige Wochen vor der Wahl. Es wäre daher besonders einfach, diese durchaus aufwändige Aktion als Wahlkampf abzutun. Doch die Moscheentour hatte Wert.
Das kann ich sagen, weil ich dabei war und die vielen guten Gespräche mitbekommen habe. Mir ist besonders aufgefallen, wie stolz die Mitglieder der muslimischen Gemeinden waren, für einen Tag Gastgeber sein zu dürfen. Stolz zeigten sie ihre Gebetsräume und erklärten nicht nur der politischen Prominenz (Gabriel), sondern auch allen anderen (Journalisten und Gäste) ihren Glauben. Ihre Türen haben uns wirklich offen gestanden und es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass sich das ändert.
Ich habe zudem verfolgt, wie eine ganze Reihe von interessanten, kontroversen, brisanten Themen diskutiert wurden. Nur einige Stichwörter dazu: Kopftuch, Wahlrecht, Sprache, Schule, Bildung, Sport, Arbeit, die Verantwortung türkischer Eltern bei der Erziehung. Da wurde es auch schon mal laut. Kurzum: Es wurde leidenschaftlich über Integration diskutiert – und das in einer Moschee. Toll.
Ich habe mit jungen Türken gesprochen, die schon in der fünften Generation in Deutschland leben. Einige davon machen gerade ihr Abitur, ein anderer wird Mechantroniker, ein weitere holt derzeit seinen Realschulabschluss nach. Sie sind Fans von Galatasaray und von Schalke 04. Sie sprechen untereinander mal türkisch und mal deutsch. Je nach dem. Sie träumen die eine Nacht auf deutsch, die nächste auf türkisch. Als ich spät abends im Zug in Richtung Rheinland saß, ist mir immer wieder durch den Kopf gegangen, warum diese Jungs noch immer die gleichen Schwierigkeiten (s.o) wie ihre Eltern und Großeltern haben. Hat sich in Deutschland wirklich so wenig getan?
Wer bei der Moscheentour dabei war, dem ist klargeworden, dass es für Parteien höchste Zeit wird, mehr für das Zusammenleben zu tun. Wahlkampf hin oder her.