Mike Konczal vom Roosevelt Institute hat sich eine interessante Frage vorgenommen. Er wollte wissen, wer die “99 Prozent” sind, was sie fordern, worüber sie sich beschweren und was sie sich wünschen. Kurz gesagt: Was bewegt Occupy-Aktivisten?
Um auf diese Fragen Antworten zu finden, hat Konczal den vielfach verlinkten Tumblr “We Are the 99 Percent” untersucht. Auf dieser Seite erklären Amerikaner, weshalb sie sich zu den “99 Prozent” zählen. Sie beschreiben ihre persönlichen Lebensumstände, ihre Schwierigkeiten und ihre Sorge. Mit dem Stück Papier, das den langen Text oder auch nur eine kurze Botschaft enthält, lassen sie sich fotografieren. Das Foto wird im Blog veröffentlicht, der Text darunter noch einmal gut lesbar gepostet. Das Blog wächst noch immer.
Längst ist hier eine Pinnwand des Unmuts entstanden, ein Dokument des Abstiegs, ein Zeugnis der Ängste. Das Blog erzählt Geschichten, und es entsteht ein Stückchen Geschichte.
Konczals Daten stammen aus dem Oktober. Gut tausend Einträge sah er sich an. Dabei fand er heraus, dass vor allem Leute im Alter von 20 Jahren sowie Leute im Alter von etwa 27 Jahren das Gros der Veröffentlichungen produzierten. Das Durchschnittsalter liegt bei 29 Jahren. Gleichzeitig zeigt er sich dennoch über die Altersverteilung überrascht: “Given that we assume tumblr and webcams are technologies of the young, the age distribution has a higher tail end than I had expected.”
Spannender noch finde ich die Textanalyse, die Konczal durchgeführt hat. Er hat alle Wörter zusammen gezählt und daraus eine Top-25-Liste erstellt: “Job(s)” und “debt(s)” führen sie an. Es folgen “work”, “college” und “pay” (s.u.).

Screenshot von Konczals Blog: http://rortybomb.wordpress.com
Insgesamt vier “major-concerns” leitet Konczal daraus sowie aus der einzelnen Textdurchsicht ab. Das sind Studienkredite, Kinder, Arbeitslosigkeit und Gesundheitsvorsorge.

Interessant ist auch das, was nicht gesagt wird. Beispielsweise Luxus und Konsumwünsche werden kaum hervorgebracht. Und wenn, dann verneinend: (“We do not own HD TVs, expensive automobiles, use cable TV, or indulge in other..”). Auch der Wunsch nach gewerkschaftlicher Mitsprache taucht nicht auf. Im Gegenteil, Gewerkschaften werden abgelehnt und verneint (“No unions”).
Konczal zieht daraus ein kritisches Fazit:
“The 99% looks too beaten down to demand anything as grand as “fairness” in their distribution of the economy. There’s no calls for some sort of post-industrial personal fulfillment in their labor – very few even invoke the idea that a job should “mean something.” It’s straight out of antiquity – free us from the bondage of our debts and give us a basic ability to survive.”
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