tazlab (I): Bloggen für den Umsturz

Lina ben Mhenni trägt ein knallrotes T-Shirt. Es ist der schmalen Frau ein wenig zu groß. So manche Falte verdeckt den Blick auf die tunesische Flagge, Stern und Mondsichel, die oben links auf das T-Shirt gedruckt ist. Auf die Höhe des Herzens. Auf der Brust steht mit großen weißen Buchstaben der kurze starke Satz: “I am proud of Tunisia”. Man glaubt ihr sofort.

Was hat die junge Frau für eine Geschichte mitgebracht. Die letzten zwei Jahre ist sie jeden Tag von Polizisten beschattet worden. Bei ihr zu Hause und im Haus ihrer Eltern ist eingebrochen worden. Man stahl ihr ihren Laptop, ihr Arbeitsgerät. Man schikanierte und drangsalierte sie. Das Regime von Ben Ali wollte sie kleinkriegen. Einmal hat man sie sogar geschlagen. Ihr Vergehen: Lina ben Mhenni bloggt. Gegen das System, gegen Zensur und für freie Meinungsäußerung.

Jetzt scheint ihr Kampf vorerst gewonnen. Der Diktator ist gestürzt, im Juli stehen Parlamentswahlen an, die Jasminrevolution ist Geschichte. Es kann nur besser werden.

Es war wirklich beeindruckend, was Lina ben Mhemmi beim Panel “Hier spricht die Revolution” des taz-Medienkongresses am Freitagabend erzählte. Mit wie viel Mut und über welch einen langen Zeitraum sie wieder und wieder auf Missstände in Tunis und im ganzen Land aufmerksam machte. Sie vernetzte sich dabei mit anderen Aktivisten und organisierte Widerstand – trotz der ständigen Drohungen gegen sie.

Auch verzichtete sie auf ein Pseudonym. Über jedem ihrer Einträge stand ihr voller Namen. Sie sagt, gerade diese Öffentlichkeit habe ihr besonderen Schutz gegeben.

Ein Phänomen, von dem auch Mona Seif, eine Bloggerin aus Ägypten berichtet. 18 Tage harrte sie auf dem Kairoer Tahrir-Platz aus, um gegen Hosni Mubarak zu demonstrieren. Man hat die Bilder von prügelnden Kamelreitern und fliegenden Steinen vor Augen. Mona Seif aber sagt: “Ich habe mich nie sicherer gefühlt als in dieser Zeit”. Ein ganz besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl. Die Studentin twitterte das, was sie auf dem Tahrir-Platz sah. Heute hat sie über 12.000 Follower auf Twitter.

Man wird nachdenklich, wie man hört, wie und unter welchen Umständen junge Leute in Unrechtsregimen die Chancen, die Twitter, Facebook und Blogs bieten, zu nutzen versuchen. Die kubanische Bloggerin Yoani Sanchez formulierte es so: “Wir kämen niemals auf die Idee, darüber zu twittern, welche Sorte Eis wir gerade essen”.

Eigentlich wollte auch Sanchez an diesem Wochenende in Berlin sein. Doch sie konnte nur eine Videobotschaft schicken. Kubas Regime steht noch. Die Ausreise wurde ihr verweigert. Sanchez wird von Havanna aus weiter bloggen.

* Was denkt Ihr über die Revolutionsbloggerinnen? Schreibt mir über Twitter! Bis morgen, dann beim zweiten Tag des tazlab.

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2 Kommentare

  1. Danke für den tollen Beitrag!

    Frauen, wie diese zeigen, was Emanzipation eigentlich bedeutet.

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