Das dümmste Argument der Guttenberg-Freunde

Jetzt sind es schon eine Viertelmillion Anhänger. Die Facebook-Gruppe “Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg” scheint teilweise schneller zu wachsen als die Schuldenuhr am Haus des Bund deutscher Steuerzahler. Klick. Gefällt mir. Wieder ein paar tausend mehr.

Dabei schreiben KT-Fans jede Menge Unsinn an die Pinnwand der Gruppe. Es sei ihnen gegönnt. Vieles davon tangiert mich überhaupt nicht.

Ein Argument bringt mich jedoch auf die Palme. Es soll die selbsterklärte fränkische Tanne in Schutz nehmen. Man liest es oft. Es ist das wohl dümmste Argument in der Plagiatsaffäre und kommt meist als Frage daher. Sie lautet: Gibt es nichts Wichtigeres auf der Welt?

Es ist ein populistisches Totschlagargument. Wer so etwas schreibt und sagt, ist der Bild-Zeitung auf den Leim gegangen, hat sich von Guttenbergs Claqueren eindrehen lassen.

Selbstverständlich gibt es Wichtigeres. Viel Wichtigeres. Endlich Konsequenzen aus der Finanzkrise zu ziehen, wäre so etwas. Der derzeitige Aufruhr in Arabien ist viel bedeutsamer. Verletzungen der Menschenrechte durch Diktaturen. Die Armut dieser Welt und die globale Erderwärmung.

Auch innenpolitisch gibt es Wichtigeres. Antworten zu finden auf den demografischen Wandel beispielsweise. Die Verschuldung der Kommunen. Reformen in den Bereichen Arbeit und Soziales, Gesundheit und Bildung. All das ist für Deutschland sehr viel wichtiger.

Aber was soll das? Soll man deshalb nicht mehr sagen dürfen, um was es geht?

Dass ein Minister abgeschrieben hat. Dass er geistiges Eigentum gestohlen hat. Dass er einen Titel getragen hat, der ihm nicht zustand. Dass er gelogen hat (Vorwürfe seien “abstrus”). Und dass eine CDU-Kanzlerin dabei bürgerliche Werte wie Anstand, Aufrichtigkeit und Ehre über Bord wirft? Soll das ungesagt bleiben?

Wer die “Gibt-es-nichts-Wichtigeres”-Frage stellt, erteilt der Aufklärung von Missständen eine Absage, indem er sich bewusst oder unbewusst einen Kniff zu eigen macht: Gemessen an gigantischen Problemen, wirken selbst große Probleme kleiner. Das ist eben so.

Sich dann gegen die Medien, gegen die Verkünderin und Kritikerin der “unwichtigen” Missstände zu stellen, ist dieser Denke zufolge nur logisch.

Soll Guttenberg zurücktreten, ja oder nein? Darüber kann man diskutieren. Auch über die Art, wie die Medien berichten, kann man reden, wenn man möchte. Nicht aber darüber, dass die Affäre veröffentlicht gehört. Ein “Gibt-es-nichts-Wichtigeres” hilft dabei nicht.

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