5 Stammtisch-Parolen, die durch GuttenPlag wahr werden

Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg hat abgeschrieben. Das ist dreist. Das macht man nicht.

Womöglich hat er seine fast 500 Seiten starke Doktorarbeit gar nicht selbst verfasst. Er muss sich entschuldigen. Sein Geschwurbel vor handverlesenen Journalisten genügt da nicht. Es beweist eher noch, in welcher Not Guttenberg sich befindet.

Das Amt wird er zwar nicht ablegen müssen, ein echtes mea culpa vorausgesetzt. Merkel weiß, was sie an Guttenberg hat. Zusammen mit Ursula von der Leyen ist der adlige Bayer der schlagkräftigste Unions-Politiker im Kampf um Wählerstimmen. Und Wahlkampf ist in Deutschland eigentlich immer. Merkel kann einen Guttenberg in Topform sehr gut gebrauchen. Sie schützt ihn, noch.

Doch die GuttenPlag-Affäre hat Tiefgang. Große Teile des Politikbetriebes haben Lust, den Star fallen zu sehen. Medien wurden düpiert. Die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft massiv beschädigt. Es geht um Anstand und Ehre.

Hinzu kommt – anders als bei den Affären Kunduz (zu abstrakt, zu militärisch) und Gorch Fock (zu spefizisch) – ein ganz lebensnaher Bezug bei der Plagiats-Affäre. Denn Abschreiben kennt jeder. Das Vergehen ist allgemein verständlich. Hier trifft Politik tatsächlich einmal auf Wirklichkeit. Zu Ungunsten Guttenbergs.

Die Affäre hat dadurch einen negativen Effekt mit Langzeitwirkung. Sie ist Wasser auf die Mühlen der Politikverdrossenen. Vorurteile über die Politik werden anscheinend wahr und die Gewissheit macht sich breit, der Stammtisch habe es schon immer am besten gewusst.

Es sind mindestens fünf Bierbank-Weisheiten, die durch die Copy-Paste-Affäre bestätigt werden:

Erstens: Politiker kosten ihre Privilegien aus, wo sie nur können.

Zweitens: Politiker denken nur an sich und ihre Karrieren.

Drittens: Politiker lügen, wenn sie nur den Mund aufmachen.

Viertens: Politiker sind alle gleich, wir haben es schon immer gewusst.

Und fünftens: Bei denen da oben wird nicht so genau hingeschaut.

Es ist die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus dem Fall Guttenberg: Am meisten beschädigt wird kein Amt, keine Partei und auch keine Person. Der Vorgang geht unter die Oberfläche. Es verliert das politische System insgesamt. Er schadet der Demokratie.

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2 Kommentare

  1. “Es verliert das politische System insgesamt” – Da haben Sie recht – darum haben wir hier einen grossen Teppich aufgespannt zum Drunterkehren!

  2. Es sind ja zum Glück nicht alles Politiker reich und bis zum Haargel elitär und hochnäsig. Einige haben sich wie jeder normale Mensch hochgearbeitet und ich hoffe einfach mal, dass die, ab und an doch klugen Wähler sich vielleicht endlich mal von den Schaumschlägern abwenden. Dazu müssten sie natürlich auch aufhören weg zu sehen sondern sich aktiv mit Politik beschäftigen. Dann gehts auch mit der Politikverdrossenheit.

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