Ich bin überzeugt davon, dass der Rücktritt Horst Köhlers eine Katastrophe ist.
Kaum mehr als die Hälfte der Bevölkerung nimmt noch an Wahlen teil. Parteien gelten als ununterscheidbar. Berufspolitiker als Mitglieder einer Kaste, mit eigenen Regeln und einer eigener Sprache. Hinzu kommen Probleme, wie sie die Bundesrepublik noch nie gleichzeitig hat lösen müssen. Der Euro schwankt, die Europäische Einheit brökelt. Der eigene Haushalt muss zusammengestrichen werden, die Sozialsysteme müssen reformiert werden. Deutschland befindet sich im Krieg in Afghanistan.
Der Rückzug Köhlers fällt in eine Zeit der großen Unsicherheit, in eine Zeit der Ängste. Köhler sendet das Signal der Resignation, wobei Zuspruch und Erklärung so dringend nötig wären.
Gespräche, wie ich sie heute Morgen während einer kurzen Bahnfahrt gehört habe, ein flüchtiger Blick in die Zeitungen, Blogs und Twitter-Feeds zeigt: Die Bürger sind verunsichert, ratlos, bisweilen verzweifelt.
Diese Demission des Präsidenten schadet der deutschen Politik.



