Was hat Rot-Grün eigentlich erwartet?

Ein merkwürdiger Nachmittag war das gestern. Im feinen Düsseldorfer Innenstadthotel nahe der Kö haben SPD und Grüne mit Vertretern der Linken gesprochen. Man wollte prüfen, ob ein große Linksbündnis in Nordrhein-Westfalen möglich sei, hieß es. Gut fünf Stunden saßen sie beieinander, herausgekommen ist letztlich nichts Neues: Die NRW-Linken seien weder “regierungs- noch koalitionsfähig”, so das einmütige rot-grüne-Fazit. Wen wunderts?

Bei allem wirren linksaußen Geschwurbel der Linken an Rhein und Ruhr – was haben Hannelore Kraft und Sylvia Löhrmann von dem gestrigen Treffen eigentlich erwartet? Den Gesinnungswechsel der Sozialisten quasi über Nacht? Die Vergangenheit und die politische Denke der Akteuere der Linkspartei sind wohl bekannt gewesen. Hat Rot-Grün tatsächlich geträumt, die Dunkelroten in einem Hau-Ruck-Verfahren zu bekehren?

Man weiß, dass das Schmieden von neuen Koalitionen eine gewisse Vorlaufzeit braucht. Eine Phase der Annäherung ist dafür zwingend notwendig. Eine Zeit, in der sich die Verantwortlichen auch auf persönlicher Ebene kennenlernen. Erst dann können Gemeinsamkeiten entstehen, Vorbehalte abgebaut werden, gar eigene neue Projekte entworfen werden. Das alles hat es in der (Vor-)Wahlkampfzeit in NRW zwischen SPD, Grünen und Linken nicht gegeben. Es galt die maximale Kontaktsperre. Wurde sie gebrochen, gab es Ärger. Hannelore Kraft ist regelrecht ausgeflippt, als sich der Kölner SPD-Chef Jochen Ott im März erdreistete, mit der Landeschefin der Linken Katharina Schwabedissen gemeinsam eine Tasse Kaffee zu trinken. Auf der anderen Seite plakatierten einige Regionalverbände der Linken gegen Grüne (“Wer grün wählt, wird sich schwarz ärgern”) und SPD (“Wer hat uns verraten, Sozialdemokraten”).

Wie fremd die Linke der SPD während des Sondierungsgespräches war, machte Kraft noch am Abend deutlich. “Bisher kannte man ja nur das von der Linkspartei, was geschrieben wurde”, sagte sie. Und fügte selbstgewiss hinterher: “Aber meine Einschätzung der Partei hat sich bestätigt.”

Tatsächlich glaube ich nicht, dass es sich – wie von der Linken rasch behauptet – um “Scheingespräche” gehandelt habe. Ein belastbares linkes Dreierbündnis muss jedoch besser vorbereitet werden.

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* Mein Artikel auf Spiegel Online:  “SPD stellt sich stur, Linke grollt”

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