Und dann begann ich, dieses Blog zu schreiben…

Jedes Blog hat einen Anfang, dieses hier hat sogar drei:

Im September des Jahres, wenige Wochen vor der Bundestagswahl, habe ich ein kleines Dorf in Sachsen-Anhalt besucht. Es waren keine besonders spannenden Tage. Der Bundestagswahlkampf zog sich. Die Argumente der Spitzenkandidaten hüpften über die Untiefen der Themen wie geschickt geworfene Kieselsteine: flach und glatt. Im Fernsehen stanzten die immer gleichen Gesichter die immer gleichen Sprachformeln aus. Die Kanzlerin fuhr zum Krisengipfel nach Pittsburgh, um die Welt zu retten und ich besuchte Schelldorf gut 40 Kilometer nördlich von Magdeburg. Ein Ort, in dem stets mehr als 90 Prozent der Wahlberechtigten auch wirklich ihre Stimme abgeben. Warum ist das dort so?

Die Post aus dem Weißen Haus kam kurz nach Mitternacht. Ich hatte mit einer Gruppe von Schülern versucht, mit Präsident Barack Obama in Kontakt zu treten und darüber für eine Lokalzeitung geschrieben. Obama ließ mitteilen, dass er sich sehr darüber freue, dass wir uns für seine Amtsgeschäfte interessieren. Aktuelle Nachrichten und die letzten Einträge aus den Blogs des Weißen Hauses würden wir nun regelmäßig bekommen. Wir seien darüber hinaus herzlich eingeladen, mit dem Weißen Haus über Twitter, Facebook und Flickr verbunden zu bleiben. Weiter stand da: „President Obama is committed to creating the most open and accessible administration in American history.“ Große Worte. Aber was mich wirklich beeindruckt hat, ist die so genannte Open Government Initiative des Weißen Hauses. Hier kann man Themen jeglicher Art ansprechen, kommentieren, neue Vorschläge machen, Gesetzvorschläge kritisieren. Der Dreisatz lautet: Brainstorm, Discuss, Draft. Ein Prinzip ähnlich dem von Wikipedia oder Google. Open Source. Und das in der Politik? Warum macht Obama das?

Lettland, irgendwo zwischen Liepaja und Riga. Ich war auf einer Reise im Baltikum und am Vortag hatte ich eine Gruppe von Letten kennen gelernt. Sie nahm mich im Auto mit in die Hauptstadt. Über das eher dünne lettische Bier, Schlaglöcher in den Straßen und günstige Fährverbindungen kamen wir unterwegs irgendwann auf Politik und die Situation jüngerer Leute zu sprechen. Ein Land voller Optimisten hatte das Geo-Magazin über Lettland geschrieben. Das hatte ich noch im Kopf. Nun versuchte ich, die Schlagzeile irgendwie auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen. Lieblingsstädte? Berlin, Barcelona, London. Berufswünsche? Webdesigner, Übersetzerin, Lehrer. Ziele? Ein eigenes Studio in Riga, eine Weltreise, ein Haus an der Küste. Zugegeben, Optimismus zu messen, ist anscheinend schwierig. Allerdings wirkten alle drei auf mich zuversichtlich, lebendig, positiv. Das war im September 2008 und etwa zur selben Zeit, als in New York eine Bank namens Lehman Brothers Pleite ging. Weitere fünf Monate später, im Februar dieses Jahres, kam es in Riga zu den schwersten Ausschreitungen seit der Unabhängig Lettlands 1991. Die Unruhe brachte die Regierung zu Fall. Der Staat hatte auf Pump gelebt, die Wirtschaft lag danieder, hoch verschuldet. Einer, der mich damals auf der Fahrt nach Riga begleitet hatte, schickte mir ein Foto von sich prügelnden Demonstranten in der Rigaer Innenstadt. Wie sind solche Entwicklungen zu erklären?

Dies ist ein Blog über Politik.

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2 Kommentare

  1. Ich merke gerade das ich diesen Blog deutlich öfter lesen sollte- da kommt man echt auf Ideen.

  2. @Trick: Ja, wunderbar. Sie sind herzlich eingeladen, bei mir vorbei zu schauen.

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