
Occupy-Demonstrant in Frankfurt mit Guy-Fawkes-Maske und Protestschild. (Foto: Wilhelm Degner, CC-Lizenz, Source: http://ow.ly/8guUY)
Der Protestforscher Dieter Rucht hat den Frankfurter Heften für deren aktuelle Ausgabe ein interessantes Interview gegeben, in dem er u.a. Occupy, den arabischen Frühling und Stuttgart 21 analysiert.
Über die weltweiten Protestbewegungen und deren vermeintlichen Verbindungslinien sagt er:
“Es gibt sicherlich vordergründige Gemeinsamkeiten, auch eine explizite Bezugnahme aufeinander. (…) Es gibt auch gemeinsame Stich- oder Schlagworte wie Transparenz, Demokratie, neue Formen der Kommunikation. Gleichwohl würde ich sagen, dass dies zunächst ziemlich oberflächliche Verbindungslinien sind.Wenn man genau hinsieht, dann haben die einzelnen Bewegungen doch zum Teil unterschiedliche Belange mit unterschiedlichem Tiefgang.”
Über das Wutbürgertum und den Typus des frustrierten Jugendlichen:
“Ich glaube, dass beide Denkfiguren eigentlich Verzerrungen dessen sind, was da real vorliegt. Denn die Unzufriedenheit, die zwar nicht alle erfasst hat, geht inzwischen quer durch alle Altersgruppen und auch horizontal durch verschiedene Milieus. Da ist auf der einen Seite das politisch linke Milieu,welches ja mehr Demokratie fordert: in der SPD, bei den Linken und den Grünen. Demokratisierung der Demokratie wäre das Stichwort. Aber auch bis weit ins konservative Lager hinein gibt es Unbehagen über die politische Klasse, die gleichsam in sich ruht, um sich kreist, mit ihren parteipolitischen Rankünen und Konkurrenzkämpfen beschäftigt ist und im Grunde nicht so recht weiß,was eigentlich in der Bevölkerung los ist.”
Und über zukünftige Entwicklungen des Protests:
“Es gibt eine Grundmelodie des Unbehagens an dieser Form der Demokratie und insbesondere der parteiförmig gestalteten Politik; und diese Melodie wird nicht so schnell verklingen. (…) Die Argumente sind schon sehr themen-und projektspezifisch, zum Teil auch lokalspezifisch. Einige sind gegen eine Talsperre, die der Energiegewinnung dienen soll, andere sind für oder gegen Windmühlen, wobei sich oft beide Fraktionen als Umweltschützer verstehen. Wir werden also viele kleine Proteste erleben, auch vor dem Hintergrund der erwähnten Grundmelodie, aber keine allgemeine Verbrüderung und keine gewaltige, übergreifende Protestwelle. Ich kann das zwar nicht ausschließen, erwarte das aber nicht.”
Das gesamte Gespräch ist hier nachzulesen.







